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Phantomschmerz

Beschreibung

Phantomschmerzen

Die Inzidenz von Phantomschmerzen nach einer Extremitätenamputation wird zwischen 30% - 70% (Katz, 1997) angegeben.

Der Phantomschmerz stellt damit ein sehr verbreitetes Problem dar. 27% der betroffenen Patienten haben die Phantomschmerzen länger als 20 Tage pro Monat und 15 Stunden pro Tag ( Scheuermann, 1984).

Die Inzidenz des Phantomschmerzes steigt je proximaler die Amputation durchgeführt wird. Ca. 60% der Patienten beschreiben einen weiterhin bestehenden Phantomschmerz, wenn in den ersten 3 Wochen nach Amputation Schmerzen aufgetreten sind.

Phantomschmerzen werden gewöhnlich als brennende, juckende, elektrisierende oder krampfartig, teilweise einschießende, Schmerzen beschrieben. Zunahme der Schmerzen meistens abends oder nachts. Bei 50% der Patienten kann ein Phantomschmerz durch emotionalen Stress provoziert werden. Weitere Auslöser sind Miktion, Schnupfen, Wetterveränderungen, Kältereize, Triggerpunktberührung oder sexuelle Aktivitäten.

Therapeutische Ansätze sollten frühzeitig zum Einsatz kommen, um die Chancen einer Verbesserung der Symptomatik zu wahren.

Die Ätiologie von Phantomschmerzen ist größtenteils im zentralen Nervensystem (vor allem im Rückenmarksbereich) angesiedelt, vorwiegend sind die inhibitorischen Leitungen gestört, so dass es zu spontanen Afferenzen, die Schmerzen verursachen, kommt. Die medikamentöse Therapie steht dabei im Vordergrund.

In Frage kommen Analgetika (vorwiegend Opioide), daneben kommen Antidepressiva zum Einsatz ( z.B. Amitriptilin, Doxepin), des weiteren bei einschießenden Schmerzen ein Antikonvulsiva,(z.B. ein Carbamazepin oder Lyrika).

Bei der Entwicklung von Phantomschmerzen können Calcitonin-Infusionen (100-200 I.E) versucht werden, dabei ist das Calcitonin in einer Kurzinfusion einmal täglich über 3-5 Tage zu applizieren. Allerdings sind besonders in der frühen postoperativen Phase eine ausreichende Analgesie, entweder mit Opiodanalgetika oral oder intrathorakal besonders hilfreich, um die Inzidenz der Phantomschmerzen oder Stumpfschmerzen zu reduzieren.

Eine weiterer Alternativansatz sind Nervenblockaden bei bereits bestehenden Phantomschmerzen. Dabei bieten sich an den unteren Extremität Lumbalblockaden, an den oberen Extremitäten Blockaden des Plexus brachialis an. Die Verfahren sollten immer über mehrere Tage kontinuierlich durchgeführt werden.

Desweiteren können Sympaticusblockaden dann eingesetzt werden, wenn die Phantomschmerzen einen besonders brennenden Schmerzcharakter aufweisen. Dabei können an den unteren Extremitäten lumbale Sympaticusblockaden durchgeführt werden, an den oberen Extremitäten bieten sich die Blockade des Ganglion stellatum an.

Die Erfolgsquoten dieser Alternativverfahren werden mit 25% bis 75 % angegeben

(Long 1974, Shealy 1974, Gnezdilov 1995).

Eine weitere Alternative stellen Entspannungsübungen, Hypnose oder Bio-Feedbackverfahren dar. Phantomschmerzen sprechen nicht auf operative Therapien an. Diese kommen allenfalls bei Neuromen im Stumpfbereich (Stumpfschmerzen) zum Einsatz.

Stumpfschmerzen

Inzidenz- etwa 50% der Patienten klagen nach Amputationen, besonders nach Anpassen einer Prothese über Stumpfschmerzen. Die Inzidenz von Stumpfschmerzen ist völlig unabhängig vom Auftreten von Phantomschmerzen. Stumpfschmerzen können spontan oder als Resultat von schlecht sitzenden Prothesen auftreten. Sie können als dumpfer, stechender, brennender oder schneidender Schmerz imponieren. Der Therapeut sollte auf Druckstellen durch Prothesen, Neurome oder Zeichen einer erhöhten Sympaticusaktivität, wie Schwitzen, erhöhte Hauttemperatur, sowie Allodynien achten.

Neurome, die sich an den Nervenenden entwickeln oder Verwachsungen der Nervenenden des Narbengewebes des Stumpfes, stellen häufige Ursachen für Stumpfschmerzen dar.

Therapie

Im Fall schlecht sitzender Prothesen sollten diese korrigiert werden, bei Zeichen einer Sympaticusinaktivität sollten Sympaticusblockaden durchgeführt werden. Desweiteren kommen therapeutische Nervenblockaden und Triggerpunktinfiltrationen im Stumpfbereich mit Lokalanästhetika, wie Lidocain 1% oder Bupivacain 0,5% in Frage.

Diesen Lokalanästhetikainfiltrationen können mittelstark wirksame Opioide, wie z.B. Tramal, zugemischt werden, um eine längerfristige Wirksamkeit der Blockaden zu erreichen.

Bei vasculären Insuffizienzen oder Neuromen können evtl. chirurgische Revisionen eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit bietet der Einsatz von transcutaner Nervenstimulation (TENS). Dabei kann besonders das SM1-Gerät ( Fa. Schwa-Medico) eingesetzt werden. Dieses Gerät ist das einzige auf dem Markt befindliche unipolare Tensgerät. Dabei kann im Sinne einer Jenkner-Blockade eine Kathode über den Hauptschmerzbereich am Stumpf angelegt werden und eine großflächige Anode an der Extremität gegenüberliegend, so dass eine Hyperpolarisation im Stumpfbereich erreicht werden kann.

 

Behandlungsverfahren für Phantomschmerz

Termine
Februar 2017