+++ Heidelberger Collegium --- Eine Speerspitze im Kampf gegen den Schmerz +++

Kopfschmerzen

Beschreibung

Die wichtigsten primären Kopfschmerzformen

Man unterscheidet die folgenden 6 Formen von Kopfschmerzen: Migräne, Spannungskopfschmerz, Cluster-Kopfschmerz, Medikamenteninduzierter und Zervikogener Kopfschmerz sowie den Kombinationskopfschmerz (Mischung aus Spannungskopfschmerz und Migräne).

I. Migräne

Migräne ist ein Attackenkopfschmerz, halbseitig beginnend, der oft mit Übelkeit/Erbrechen und Licht- sowie Geräuschempfindlichkeit einhergeht. Der Schmerz wird als „pulsierend“ und „bohrend“ beschrieben. Eine Attacke kann zwischen 4-72 Stunden dauern, und die Patienten leiden durchschnittlich unter 1-4 Attacken pro Monat. Teilweise gehen der Attacke neurologische Symptome (z.B. Sprachstörungen) voraus oder treten gleichzeitig auf. Als Begleitsymptome zeigen sich häufig Übelkeit, Erbrechen, Licht- u. Lärmempfindlichkeit und/oder Sehstörungen. In Deutschland sind ca. 10 Mio. Menschen von diesem Schmerz betroffen.

Therapie der Attacken:

Triptane (wie Almotriptan, Rizatriptan, Sumatriptan, Zolmitriptan und andere), Analgetika (wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Metamizol, Diclofenac und andere), Antiemetika (wie MCP, Domperidon und andere), Acetylsalicylsäure 1000mg i. v. (Infusionen)

Vorbeugende Maßnahmen ohne Medikamenteneinnahme:

Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Sporttherapie (Ausdauersportarten), Akupunktur

Vorbeugende medikamentöse Behandlung:

Betarezeptorenblocker, Calciumantagonisten, Serotoninantagonisten, Acetylsalicylsäure (Infusionen), Magnesium

II Spannungskopfschmerz:

Der Spannungskopfschmerz ist ein drückender Kopfschmerz. Der Patient fühlt sich „ wie unter einer Haube“. Der leicht bis mittelschwere Schmerz, der meist auf beiden Seiten des Kopfes, von der Stirn zum Hinterkopf verläuft, wird als „dumpf-drückend“ oder „klopfend“ beschrieben. Häufig sind Streß, Angst, Depressionen oder körperliche Anstrengung die Auslöser. Selten wird diese Art des Kopfschmerzes von Übelkeit und Lichtempfindlichkeit begleitet.

Therapie im Anfall:

Acetylsalicylsäure Brausetabletten 500 bis 1000mg, max 4g/Tag, Ibuprofen 400mg bis 1200mg/Tag, Naproxen 500mg  bis 1000mg/Tag

Vorbeugende medikamentöse Behandlung:

Amitriptylin 10mg bis 50mg abends

Als Begleittherapie kann der Patient entspannende Physiotherapie oder muskelaufbauende Krankengymnastik machen, auch Entspannungstrainings wie z. B. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Formen der Stressbewältigung werden empfohlen. In manchen Fällen wird auch TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) als Begleittherapie angewendet, eine Behandlungsmethode aus der Naturheilkunde, bei der mit Hilfe eines Gerätes elektrische Impulse erzeugt und durch die Haut auf das Nervensystem übertragen werden.

Bei der chronischen Einnahme von Analgetikamischpräparaten kann es zu Komplikationen kommen, insbesondere wenn sich daraus ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz ergibt (s.u.).

III Cluster-Kopfschmerz:

Der Cluster-Kopfschmerz ist immer einseitig, er tritt plötzlich und ohne Vorboten auf und wird häufig von einer laufenden, verstopften Nase oder roten Flecken im Gesicht begleitet. Er wird als „stärkster“, „heller“ und „schneidender Schmerz“ beschrieben. Die Schmerz Attacken beginnen plötzlich und häufig nachts. Sie dauern zwischen 15 min. und maximal 4 Stunden. Der Schmerz tritt dabei bis zu 8 mal pro Stunde auf. Oft sind Patienten zu bestimmten Jahreszeiten stärker betroffen als sonst.

Meist wird die Attacke durch bestimmte Umstände begünstigt oder ausgelöst („Triggerfaktoren“) wie z.B. Entspannung, Aufenthalt in großen Höhen, körperliche Anstrengung, Flimmer- oder Flackerlicht oder Alkohol.

Begleitet wird der Cluster-Kopfschmerz von motorischer Unruhe, Licht- und Lärmempfindlichkeit und Übelkeit.

Therapie der Attacken:

Inhalation von 100% Sauerstoff über Maske (7l/min über 15-20min), Acetylsalicylsäure Infusion 1g i.v. oder Sumatriptan 6mg s. c.

IV Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

Wenn der Kopfschmerz zunimmt und/oder häufiger Auftritt, obwohl der Patient mehr Schmerzmittel nimmt, dann liegt er in der Medikamenten-Einnahme begründet und zeigt sich als dumpfer, drückender Dauerkopfschmerz mit starker, unerträglicher Intensität. Oft hat der Patient bereits morgens beim Aufwachen Schmerzen, die im Verlauf des Tages oder unter Belastung stärker werden. Er tritt beid- oder einseitig auf. Der Patient hat mehr als 20 Tage im Monat oder mehr als 10 Stunden am Tag Kopfschmerzen und nimmt an mehr als 20 Tagen pro Monat Tabletten. Begleitet wird der Schmerz von Übelkeit und Erbrechen, depressiver Verstimmung, Lärm- und Lichtempfindlichkeit, manchmal auch von Sehstörungen. In den meisten Fällen kann der Arzt keine körperlichen Probleme feststellen, selten hat der Patient Muskelverhärtungen mit Nacken.

Therapie:

Absetzen der Schmerzmittel und Metoclopramid 3x20 Tropfen, Naproxen 2x500mg/Tag, Acetylsalicylsäure 1g i.v.

Wichtig ist, dass der Patient die Ursachen seiner Kopfschmerzen erkennt und sich an die Therapie-Angaben des Arztes hält.

V Zervikogener Kopfschmerz

Dies ist ein einseitiger Kopfschmerz, der im Nacken beginnt und dann vorne seitlich auftritt. Er wird als dumpf und drückend beschrieben und ruft mittlere bis starke Attacken hervor. Meist ist eine Hälfte des Kopfes komplett betroffen, jedoch immer nur auf einer Seite. Oft ist eine Besserung schnell möglich, da die Schmerzen organischen Ursprungs sind. Sie werden ausgelöst durch Muskelverhärtungen im Nacken oder neben der Wirbelsäule oder durch Irritation von Muskelnerven.

Therapie:

Krankengymnastik, Ibuprofen 800mg ret. 1-2 Tbl / Tag, Naproxen 500 – 1000mg / Tag, Flupirtin 3 x 200mg, Paracetamol 4x0,5-1g/Tag

Entspannungsverfahren und Akupunktur können begleitend gut helfen. Schwierigkeiten können auftreten, wenn der Patient eine Halskrawatte trägt (dadurch werden die Muskeln im Hals-Nacken-Bereich abgebaut) oder wenn durch zu starke /häufige Medikamenteneinnahme ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz eintritt.

VI Kombinationskopfschmerz

Dieser Schmerz ist eine Kombination aus Spannungskopfschmerz und Migräne, bei denen der Patient täglich mittel bis schwere haubenförmige Kopfschmerzen plus einseitige Kopfschmerzattacken hat. Der Schmerz tritt auf beiden Seiten vorne und seitlich auf, häufig auch zusätzlich einseitig vorne und seitlich in Attacken. Dabei werden die Symptome des Spannungskopfschmerzes durch Migräneattacken überlagert.

Therapie:

Metoprolol 100-200 mg/Tag, Amitriptylin 10mg  abends bis 50mg abends

Begleittherapie ohne Medikamente umfassen häufig verhaltenstherapeutische Maßnahmen und Physiotherapie.

 

Behandlungsverfahren für Kopfschmerzen

Akupunktur Autogenes Training Biofeedback Entspannung/Imagination Hypnose Kogn. Verhaltenstherapie Körperorientierte Psychotherapie Laser Ohrakupunktur Pharmakotherapie Progressive Muskelentspannung TENS Therapeutische Lokalanästhesie Traditionelle Chinesische Medizin ( TCM )
Termine
Februar 2017